2. Sinfoniekonzert 2021/22

קמוצ‘ה– Kamocha – Er ist wie du

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  • Intrada
    Fanny Hensel, geb. Mendelssohn, Ouvertüre C-Dur
    Gustav Mahler, Sinfonischer Satz für Orchester „Blumine“
    Aaron Copland, Klarinettenkonzert
    Felix Mendelssohn Bartholdy, Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 „Italienische“

    „We-ahavta le-reacha kamocha”, übersetzt: „und du wirst deinen Nächsten/Nachbarn lieben, er ist wie du“ – dieses Gebot der Tora, das die zwischenmenschlichen Beziehungen in einer Gemeinschaft regelt, steht als Motto über dem Sinfoniekonzert aus Anlass des Festjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Mit Werken von der Romantik bis zur Moderne widmet sich das Konzert Komponistinnen und Komponisten mit jüdischen Wurzeln.
    Fanny Hensels Leben und ihre Arbeit sind nicht zu trennen von der besonderen Bedeutung jüdischer Familien für das Berliner Kulturleben. Für die von ihnen geförderten und organisierten Konzertveranstaltungen im privat-öffentlichen Raum, so auch die Sonntagsmusiken im Hause Mendelssohn Bartholdy, spielten Frauen eine wichtige Rolle. Dieser Rahmen war es auch, in dem erstmals Fanny Hensels einziges reines Orchesterwerk, die schwungvolle Ouvertüre in C-Dur erklang. Ihr dreieinhalb Jahre jüngerer Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy, der heute unbestritten als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik gilt, wurde, wie auch seine Geschwister, christlich erzogen und protestantisch getauft. Dies bewahrte ihn jedoch nicht davor, dass er und sein Werk bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem in Folge der Attacken in Richard Wagners Schrift „Vom Judenthum in der Musik“ antisemitischer Propaganda ausgesetzt waren. Die während der NS-Zeit praktizierte, antisemitisch motivierte Abwertung der Musik Mendelssohns wirkte auch nach 1945 noch einige Jahrzehnte weiter. Im Jahr 1830 reiste Mendelssohn nach Italien. Inspiriert von den Reiseeindrücken schrieb er seine Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90, die „Italienische“. Dieses musikalische Tagebuch seiner Reise in den Süden ist bis heute eines der meistgespielten Werke in den Konzertsälen dieser Welt.
    "Mein Judentum verwehrt mir den Eintritt in jedes Hoftheater. Nicht Wien, nicht Berlin, nicht Dresden, nicht München steht mir offen. Überall bläst der gleiche Wind", schrieb Gustav Mahler resigniert und sah sich gezwungen zum Katholizismus zu konvertieren um die ersehnte Stelle des Musikdirektors an der Wiener Hofoper zu erhalten. Von Ihm erklingt der Sinfonische Satz für Orchester „Blumine“, ein Andante-Satz in C-Dur, der ursprünglich in Mahlers erster Sinfonie enthalten war, von ihm jedoch als „sentimental-schwärmerisch“ nach drei Aufführungen wieder entfernt wurde und lange als verschollen galt.
    Solistin des Abends ist Anja Bachmann mit dem Klarinettenkonzert von Aaron Copland. Copland, in Brooklyn als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer aufgewachsen, war schon als Kind vom spezifischen New Yorker Mix aus Synagogalmusik, Klezmer und dem Ragtime fasziniert. Als Komponist gelang ihm die Schaffung einer Musik für den Konzertsaal, die unverkennbar amerikanisch ist. Die Uraufführung seines 1948 geschriebenen Klarinettenkonzertes wurde von Benny Goodman infolge der enormen technischen Ansprüche des Werks lange hinausgezögert.

Spielort: Nikolaikirche Freiberg, Volkshaus Döbeln
Dauer: 2 Stunden