Und sie drehten das Gewehr um, auf Potemkin

Jean Ferrat hatte als Protestsänger seinen Weg gefunden. Das Lied über die meuternden Matrosen auf dem Panzerkreuzer Potemkin, welches er 1965 in Paris vorstellte, übte auf die studentische Jugend eine unbeschreibliche Faszination aus. Sie wurde durch den Hauch des Illegalen, für den der erneute staatliche Boykott durch Radio und Fernsehen sorgte (auch in Österreich) nur verstärkt.

Mit der aktualisierten Geschichte von den Aufständischen, welche den Mächtigen den Gehorsam verweigern und von einer brüderlichen, freien, aber gerechten Welt träumen, fasste Ferrat kurz vor dem Mai 68 die allgemeine Stimmung des akademischen Publikums zusammen.

Nach wenigen Wochen schon waren von der Schallplatte über 100.000 Stück abgesetzt. Mit einem Stil, der an die Rhetorik des unbekannten Soldaten erinnert, besingt Ferrat den namenlosen Meuterer als „meinen Bruder“, meinen Freund, meinen Kameraden, der tötet und getötet wurde. Und es heute noch wird. In Europa. In der Ukraine. Brüder.

Sergej Eisensteins Revolutionsfilm PANZERKREUZER POTEMKIN, der 1925 entstanden ist und auch noch viele Jahre später auf der Brüsseler Weltausstellung von Filmhistorikern und -kritikern unterschiedlichster ästhetischer und ideologischer Überzeugungen als zum 'besten Film aller Zeiten' ernannt wurde, ist ein treffendes Beispiel für Eisensteins virtuose Montagekunst. Bilder des Films sind dem Chanson unterlegt. Als der Film Anfang 1926 exportiert wurde, machte er Eisenstein weltberühmt. Ironischerweise wurde der Film von Joseph Stalin verboten. Er  befürchtete, es könnte zu einem Aufstand gegen sein Regime kommen.