Die Winterreise

Liederzyklus von Franz Schubert

15. März 2020 |19:00 Uhr | BiB

Noch bevor im 5. Sinfoniekonzert der Mittelsächsischen Philharmonie mit der Ouvertüre zum Singspiel Die Freunde von Salamanka und seiner Sinfonie Nr. 5 B-Dur ein Schwerpunkt auf Franz Schubert gelegt wird, widmen sich GMD Raoul Grüneis und Bariton Elias Han dem Schubertschen Liedschaffen.

Am Sonntag, den 15. März, 19.00 Uhr erklingt in der BiB einmalig Franz Schuberts Liederzyklus Winterreise.


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Die Winterreise erschien als Gedichtsammlung in einer Zeitschrift, die im österreichischen Polizei- und Überwachungsstaat der Schubert-Zeit verboten war. Auch die Lektüre war strafbar. Schubert liest die Gedichte trotzdem und schreibt 1827 Musik dazu. "Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh' ich wieder aus" - Worte und Töne, die immer wieder Aktualität finden.

Schemenhaft singend bewegt sich der Wanderer durch düstere und fahle Winterlandschaften. Ein Fremdling, ein Mensch ohne Heimat. Auf den ersten Blick ein unglücklich Verliebter, der weiterziehen muss ohne Ziel, allein mit seinen Träumen und seiner Melancholie. Bei näherer Betrachtung ein Suchender, der sein Lebensschicksal selbst in die Hand nimmt.
Im Gegensatz zu Schuberts erstem Liedzyklus, der Schönen Müllerin, ist die Handlung in der Winterreise nur vage angedeutet. Sie besteht mehr aus aneinander gereihten Bildern und Assoziationen, die dem Winterreisenden auf seiner Wanderung begegnen. Traum, Erinnerung und Realität sind dicht miteinander verwoben, die Grenzen fließend. Äußerst subjektiv besingt der Wanderer sein Schicksal und doch sind seine Seelenzustände für den Zuhörer nachempfindbar und offen für viele Deutungen.

Schuberts Freund, Joseph von Spaun, erinnert sich: "Schubert wurde durch einige Zeit düster gestimmt und schien angegriffen. Auf meine Frage, was in ihm vorgehe, sagte er nur: 'Nun, ihr werdet es bald hören und begreifen.' Eines Tages sagte er zu mir: 'Komme heute zu Schober. Ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Ich bin begierig zu sehen, was Ihr dazu sagt. Sie haben mich mehr angegriffen, als dieses je bei anderen Liedern der Fall war.' Er sang uns nun mit bewegter Stimme die ganze 'Winterreise' durch. Wir waren über die düstere Stimmung dieser Lieder ganz verblüfft, und Schober sagte, es habe ihm nur ein Lied, der 'Lindenbaum', gefallen."