Werkstatt: Tanz und Rap

Irgendwo in unserer Gegenwart – eine Tänzerin und ein Rapper leben in unmittelbarer Nähe zueinander. Vom jeweils anderen haben sie nur eine vage Vorstellung, sie wissen nicht, wie sie einander begegnen können und werden. Sie suchen sich und fliehen gleichzeitig voreinander, loten ihre Chancen und Schwierigkeiten aus, einander zu finden. Die Verschiedenartigkeit ihrer Ausdrucksformen - Tanz und Rap - wird der Schlüssel für ihr Aufeinandertreffen. Eine Tanz-Rap-Werkstatt in der Studiobühne, die mit verschiedenen Elementen experimentiert: Musik, Video, Choreografie, Rhythmus - zwischen Poesie und Gewalt, Mensch und Natur.

Zum Trailer: https://vimeo.com/286403364

... eine eine sehr poetische, berührende Geschichte, erzählt mit allen Sprachen der Bühnenkunst. Bemerkenswert tief wird dabei hinter Floskeln wie „Multikulti“ geblickt, an denen die Gesellschaft sich derzeit so oft ergebnislos aufreibt. Ergebnis ist ein Theater-Gesamtkunstwerk, so berührend und inspirierend ...
Wir blicken in einen imaginären Wohnblock: Die Bühne, in der Mitte mit einer Linie streng geteilt, zeigt zwei Appartement-Andeutungen. Links lebt, in rotes Licht getaucht, der Rapper (Johann-Christof Laubisch), rechts, in blau, die Tänzerin (Martina Morasso). Beide suchen im neutralen wie leeren Umfeld einer Anonymität, in die sie das Leben verschlagen hat, ihre Identität. Und zwar mit nur jenen Mitteln, die jedem von uns dazu zur Verfügung stehen: Interessen, Prägung und Fähigkeiten. Kulturelle Stereotype dienen als Ausgangs- und Ankerpunkte, doch erst das Eigene bringt Erfüllung. Das allerdings muss man finden: Die Tänzerin zelebriert die meditativen Bewegungen eines Samuraischwertkampfes mit einer Goldfischangel, der Rapper übt sich in Szene-Posen, die er mit den französischen Liedern im Herz nicht zusammenbekommt. Wand an Wand geht sich das ungleiche Paar damit auf die Nerven – die Kulturen im „Haus der zwei Sonnen“ versuchen, sich gegenseitig zu übertönen. Es gilt, in einer Realität zu bestehen, die über Videosequenzen in den Raum dringt. Dann aber entdeckt die Tänzerin die Stimmkunst, die sich nicht beherrscht – dem Rapper hingegen fehlt es an echten Bewegungen. Doch das Miteinander ist kein simples Heilmittel, der Groove des Einen entpuppt sich als Dysfunktion des anderen, Übereinstimmungen finden sich nie an der gleichen Stelle ...
Körpersprache und Worttänze erzählen so intuitiv wie tiefgreifend eine Parabel, die Harmonie nicht in festen Mustern ausmacht, sondern in dem geschickten Spiel mit Potenzialen und der Umnutzung unvermeidlicher Beeinflussung zur gegenseitigen Befruchtung. Codes aus Tanz und Rap werden dabei als lebendiger Eigensinn genutzt, nie als Kulisse. Für die sorgt dagegen eine großartig gesetzte Musik zwischen Elektronik und Klassik, zwischen der immer wieder pop- und zeitkulturelle Anspielungen aufleuchtet ... Eine wunderbare Stunde aus Kraft und Licht.
(Tim Hoffmann, Preie Presse, 24.09.2018)

10.01.2019  20:00 BiB FreibergKarten kaufen / bestellen
Karten kaufen / bestellen