Eugen Onegin

Oper von Peter I. Tschaikowsky

Eine einfache Liebesgeschichte: Tatjana, das junge Mädchen vom Lande, das in der Phantasiewelt seiner Bücher lebt, schreibt dem neuen Nachbarn Onegin einen glühenden Liebesbrief. Der weist den Gefühlsausbruch natürlich zurück. Bald darauf tötet Onegin seinen Freund Lenski bei einem aus nichtigem Anlass provozierten Duell und reist für längere Zeit ins Ausland. Nach seiner Rückkehr trifft er zufällig wieder auf Tatjana: als elegante Dame der Gesellschaft und Ehefrau eines angesehenen Fürsten, dessen Leben durch sie erst einen Sinn bekam. Nun macht Onegin ihr ein leidenschaftliches Liebegeständnis. Tatjana aber weist ihn zurück: sie hält ihrem Ehemann die Treue, obwohl sie Onegin noch immer liebt.

Tschaikowsky hat den Versroman von Alexander Puschkin als Vorlage für eine Oper genommen, die alle Figuren auf der Suche nach dem ganz persönlichen Glück zeigt: zwei ältere Frauen, die sich mit dem Leben arrangiert haben, vier junge Leute, die ihre Erfahrungen mit der Liebe machen und auf ganz unterschiedliche Weise scheitern; eine Figur - Fürst Gremin - immerhin hat ihr Glück eindeutig gefunden.

Die Musik verbindet die Schilderung der Gefühle einzelner Figuren und die Gesellschaftsszenen - vom Bauernchor bis zum Ball in St. Petersburg - auf geniale und mitreißende Art und Weise.

Im Spielplan seit 09.03.2013

Stefan Burmester (Ein Hauptmann)*
Frieder Post (Saretski)*
Michael Zeiske (Guillot, Onegins Diener)*

Opernchor und Extrachor des Mittelsächsischen Theaters | Statisterie

Mittelsächsische Philharmonie

*Solisten aus dem Opernchor

Rundum großartig ist diese Onegin-Inszenierung. Und wenn man bedenkt, dass das Mittelsächsische Theater nicht gerade einer von den Star-Kästen des Opernspektakels ist, kann man den Premieren-Erfolg am Samstag in Freiberg glattweg aufsehenerregend nennen: höchste Qualität mit den verfügbaren hauseigenen Zutaten. (Freie Presse 11.03.13)

Arila Siegert hat diese Szenen des unaufhaltsamen Unglücks einsamer Menschen mit choreografischer Genauigkeit inszeniert. Den Chor der Landleute, die Geburtstagsfeier für Tatjana, den Ball in der Hauptstadt hat sie typisiert, ihren Protagonisten bleibt genügend Spielraum, den Emotionen Lauf zu lassen, allein die Form wird nicht gesprengt, es muss nicht nachgespielt werden, was die Musik viel assoziationsreicher vermitteln kann. So gelingen Szenen von großer Eindringlichkeit, etwa Tatjanas nächtliche Briefszene mit Onegin, wenn der in den Lyrismen ihres Briefes als Gestalt erscheint, beide ganz nahe sind, und doch das Bild kalt ist vor Einsamkeit. Überhaupt bestimmen hier die Temperaturen des Herzens die Abfolge der Jahreszeiten. Lenskis einsame Szene des Selbstmitleids vor dem Duell, der Abschied am Ende für immer, Tatjana und Onegin, jetzt Oper pur, zwei Menschen, die es zueinander zieht, reißen sich voneinander los. Das Bild bleibt stehen, das Leben geht weiter. (DNN 13.03.13)