Das Tagebuch der Anne Frank

Mono-Oper von Grigori Frid

Anne Franks berührendes Tagebuch entstand von 1942-44 und wurde nach seiner Veröffentlichung zu einem persönlichen Zeitdokument der Judenverfolgung im Dritten Reich. Die Familie Frank wurde 1944 in ihrem Amsterdamer Versteck entdeckt und in verschiedene Vernichtungslager deportiert – Anne selbst starb im KZ Bergen-Belsen. Nur Annes Vater überlebte, folgte ihrem Wunsch und publizierte ihre Aufzeichnungen.
Der russische Komponist Grigori Frid, Jahrgang 1915, konnte auf durchaus vergleichbare Erfahrungen zurückgreifen als er 1968 Anne Franks Tagebuch zu einer Kammeroper für Sopran und Orchester verarbeitete. Seine Familie litt unter der Verfolgung Stalins und viele Mitglieder der Familie starben. Zudem erlebte Frid den Zweiten Weltkrieg als Sanitäter an der Front. Sein etwa einstündiges Werk wurde 1972 erstmals aufgeführt und 1999 mit verkleinerter Orchesterbesetzung überarbeitet.
Die Oper besteht aus einer Folge kurzer Bilder, die auf subjektiv geprägten, inneren Episoden aus dem Tagebuch beruhen. Sie zeigen Annes Entwicklung vom Mädchen zur Frau, ihre Empathie gegenüber anderen, ihre Einsamkeit und Willenskraft. Der Tagebuchform treu bleibend, werden in ihren Monologen auch Familie und Freunde gegenwärtig, obwohl diese nicht als Personen präsent sind. Frid erschuf dazu eine expressive, gegenwärtige Musik, die lyrisch-betrachtend, aber auch impulsiv-aufwühlend sein kann.

      Studentinnen der Sommerakademie der James-Madison-University Harrisonburg/ Virginia, USA
      Kammerensemble der Mittelsächsischen Philharmonie

      Musikalische Leitung: William Reber
      Inszenierung: Janny Fuchs