Schauspiel

»Hier unten wir Ameisen und da oben Milliarden von Sternen, Lichtjahre voneinander entfernt, das macht mir merkwürdigerweise wieder Mut ...«

(Armin Mueller-Stahl)

Liebe Theater-Neugierige,

ja, die Ressourcen auf der Welt sind begrenzt, und sie geht uns verloren, wenn wir hemmungslos produzieren, nur, weil es uns möglich ist, – aber was wir mit Sensibilität auch im Theater mit Ihnen gemeinsam weiter entfalten können, ist Neugier. Neugier als Lust am Wandel, an der Verwandlung. Und als Chance, mit ihr eine freundliche Offenheit und Hoffnung zu entwickeln für ein universelles Denken. Eine Utopie, deren Wesen der Schutz von Leben ist … Neugier und Zweifel passen wunderbar zusammen! Und vieles, woran wir zweifeln, vielleicht, weil es noch nicht zu sehen ist, ist aber unbedingt unübersehbar: gelungene Integration oder Zusammenarbeit z.B. wird dann sichtlich unsichtbar, wenn sie geglückt ist. Wenn Menschen eine Stabilität und eine Balance im Umgang miteinander und mit ihrer Umwelt gefunden haben. Eine Basis, die ein Einverständnis voraussetzt; Lernen nennt Heiner Müller dieses Einverständnis. Polemik und willkürliche Abgrenzung schaffen diese Basis ab.

In einer besonderen Gegenwart nehmen wir eine besondere Vielfalt von Inszenierungen mit in die neue Spielzeit – eine Art Zeitspur, auf der Sie u.a. Brechts Sezuan und Shakespeares Hamlet noch einmal erleben können, bevor wir diese Inszenierungen aus dem Spielplan verabschieden. Heiner Müllers Philoktet gehört ebenso in unseren Spielplan wie Pavel Kohouts Familienstück über den phantasievollen Clown August, wie der Kredit, oder Die Firma dankt oder Die Olsenbande im Schlosshof und im Theater Döbeln.

Freuen Sie sich in der neuen Spielzeit auf einen Geizigen, der sich im Molière’schen Sinne ganz seiner Unersättlichkeit hingibt und dabei alles verliert. Besuchen Sie mit uns ein Fest in einem Freundeskreis, auf dem ein Vorname Geschichten und Ansichten enthüllt, die Freunde in einem langjährigen Schweigen voreinander zu verstecken versuchten.

Freuen Sie sich auf eine gewitzte Maskerade in der Welt des Reineke Fuchs – nach Johann Wolfgang von Goethe – in der ein schlauer Fuchs mit Vergnügen einen ganzen Hof-Staat in ein furioses Geflecht von Deals verwickelt, in welchem er sich nun honigtrunken zu verlieren droht.

Im Frühjahr finden Sie in unserem Spielplan einen bewusst freigehaltenen Spiel-Raum – dort werden wir uns aktuellen Themen und Herausforderungen unserer Gegenwart stellen, die eine spielerische Auseinandersetzung im Theater verlangen.

Bleiben Sie mit uns neugierig auf das Theater und auf Ihr Schauspiel mitten in einer außergewöhnlichen Zeit.

Herzlichst, Ihre

Annett Wöhlert
Schauspieldirektorin