Schauspiel

»Es ist schlimm, in einem Lande zu leben, in dem es keinen Humor gibt. Aber noch schlimmer ist es, in einem Lande zu leben, in dem man Humor braucht.«

Bertolt Brecht

Guten Tag liebes Publikum im Spielzeitjahr 2018/2019!
Wunderbar ist – im Theater haben wir alle gemeinsam die einzigartige Möglichkeit sowohl zu rekonstruieren als auch schöpferisch zu imaginieren, wie Wirklichkeit sein könnte! Nicht zum wundern ist leider die Aktualität eines Textes von Bertolt Brecht: »So was hätt einmal fast die Welt regiert!/Die Völker wurden seiner Herr, jedoch/Daß keiner uns zu früh da triumphiert-/Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das/Kroch.“ Aber wiederum hat Brecht in seinem Stücktitel ein feines ermutigendes Wort eingesetzt, es heißt dort: »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui.«
Wir brauchen heute einmal mehr eine kritische, pluralistische, auch durchaus unbequeme, humanistisch ausgerichtete Kunst und Kultur für eine lebendige vielfältige Zivilgesellschaft. Die Art und Weise des Umgangs mit diesen kritischen Spiegelungsmöglichkeiten der Bühnen ist und zeigt auch ein Kriterium für die Beschaffenheit der jeweiligen sozialen Ordnung, der Demokratie.
Dieser Planet ist außergewöhnlich, außergewöhnlich zerbrechlich und vielfältig. Vielfalt will erprobt, erlebt, ermutigt und ausgehalten werden. Wo ist die gemeinsame Basis? Der Schauspiel-Liederabend stellt diese widersprüchliche strapazierte Liebe, die zwischen Schönheit und Zerbrechlichkeit gefunden werden will, ins Zentrum. Wir trotzen der Schwerkraft mit Musik, einer Band, und mit Lieder-Geschichten von Wenzel bis Brecht. Wir laden Sie herzlich ein, kommen Sie mit uns auf eine November-Lieder-Reise!
Das Gegengewicht zum Krieg ist – das Schöpferische! Sie finden dieses Thema in der Inszenierung Der Frieden nach Aristophanes! Wir zeigen Peter Hacks‘ komödiantische Bearbeitung im Sommer Schlosshof. Oder erleben Sie parallel dazu den Literaturnobelpreisträger Samuel Beckett: Warten auf Godot / Endspiel und darin eingeschrieben die Chance, aus dem Warten ein Spiel zu kreieren, einen täglichen kreativen Aufbruch.
Freiheit ohne Sicherheit ist kaum möglich, aber Sicherheit auf Kosten der Freiheit und Vielfalt ist bedenklich, also wie viel Sicherheit verkraftet die Freiheit: Wir spielen für Sie Juli Zeh: Yellow Line !
Bevor etwas entsteht muss es erträumt werden: Amadeus! Für das Gefühl der Machtlosigkeit hat Kunst die Freiheit erhalten – Lebenselixier bei Mozart. Doch der Wiener Hof tut sich schwer mit lebendiger Kultur und verficht die museale, staatlich flankierte. Kommen Sie mit zu Amadeus – staunen, erfinden, lieben, Ausschau halten nach allem, was es noch nicht gibt!
Demokratie ist auch Dissens, Streit braucht Fairness. Das auch die Unterschiedlichkeit der künstlerischen Ausdrucksmittel zu einer Annäherung zwischen einander Fremden führen kann, das sehen Sie in der Werkstatt: Tanz und Rap. Und fast gleichzeitig begegnen Sie dem schwierigen Verhältnis zur Wahrheit kurios: in der Ur-Posse Pension Schöller. Die Arbeit für und mit Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiger Schwerpunkt in unserer Theaterarbeit, Kunst kann vermitteln, Utopien greifbar machen. Die schöpferischen Impulse der Jüngsten gilt es aufzusuchen, sich zuzuwenden, zu fördern. Peter Härtlings Geschichte über den 11-jährigen Jungen Djadi aus Homs wendet sich den Unschuldigsten an allen Kriegen zu, den Kindern, und plädiert für die angstfreie Neugier auf und die Freundlichkeit zu dem Anderen, sind wir doch selbst fremd, auch in jedem anderen Teil der Welt. Wir gehen mit diesem neuen Format des Lese-Theaters in die Schulen (Djadi, Flüchtlingsjunge). Und wir freuen uns sehr auf die Uraufführung eines eigens für das Mittelsächsische Theater entwickelten und breit in der Region recherchierten Jugendstückes zum Thema ‚digitale Welten‘ von Thilo Reffert: Let´s play: Reality! Ein Dank an der Landaufschwung Mittelsachsen, der dieses Projekt mit uns ermöglicht!
Wir freuen uns mit Ihnen gemeinsam die Spielzeit zu erleben, bis bald!

Herzlichst, Ihre
Annett Wöhlert
Schauspieldirektorin