Philharmonie

»Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.«

(Gustav Mahler)

Sehr geehrtes Publikum,

der Welt der klassischen Musik wird ja gern vorgeworfen, sie sei verkrustet, erstarrt, ritualisiert und dergleichen mehr. Tatsächlich sind wir meiner Meinung nach in den Künsten überhaupt sehr in der Gefahr, uns in der Vergangenheit zu verlieren, den Blick und die Ohren für das Hier und Heute zu vernachlässigen. Wenn das klassische Konzert als Ritual wahrgenommen wird, ist die andere Frage aber auch: Kann der Mensch ganz ohne Rituale auskommen?

Das morgendliche Frühstück ist auch mehr oder weniger solch ein Ritual; allein aber das Bewusstsein schon, dass es ganz und gar nicht selbstverständlich ist, jeden Morgen etwas zu essen zu haben, dürfte den Wert dieses Rituals erheblich steigern.

Das Bewusstsein darüber, dass es ganz und gar nicht selbstverständlich ist, dass wir all diese großartige Musik haben, dass es ganz und gar nicht selbstverständlich ist, das als Musiker aufführen zu dürfen, und dass es ebenso wenig garantiert ist, dabei auf offene Ohren im Publikum zu stoßen, das alleine birgt schon sehr viel Kraft, sich getrost dem Hier und Heute, sich einem kritischen und anspruchsvollen Publikum in unseren Konzerten zu stellen. Und auch für Sie, verehrtes Publikum, dürfte es wohl keine Selbstverständlichkeit sein, so ein klangvolles, flexibles und motiviertes Orchester wie die Mittesächsische Philharmonie in der Stadt zu haben!

Eine kleine Besonderheit des Programms stellt wohl die zweimalige Konfrontation von Werken von Brahms und Tschaikowsky dar, die beide zwar am selben Tag Geburtstag hatten, aber sonst wenig Gemeinsames aufweisen. Auch die aparte Kombination Flöte und Harfe, der ja etwas griechisch-mythologisches anhaftet, können Sie in doppelter Ausführung erleben. Ebenso etwas sehr Besondere das diesjährige Jazz-Sinfoniekonzert mit der Big-Band der Hochschule für Musik Dresden.

Ihr

Raoul Grüneis
Generalmusikdirektor